Überschwemmung auf dem Zeltplatz in Lillehammer
Der Bach ist zum reißenden Strom geworden

Tag 10 - 08.07.2014 - Lillehammer - Oslo - 190 km


Es regnet, besser gesagt schüttet, die ganze Nacht.

 

Wir schlafen unruhig. Um ca. 4:30 Uhr oder 5 Uhr wird Claus von einem ungewohnten Geräusch wach.

Es hört sich an wie ein Kohlenzug, der an uns vorbeizieht. Dann hören wir plötzlich ein Moped neben unserm Zelt und der Scheinwerfer scheint durch die Zeltwand.

 

Claus schaut draußen nach.

Der Bach, der den Zeltplatz teilt und aus den Bergen das Wasser in den See führt ist zum reißenden Strom geworden. Die Brücke, über die wir gestern noch fahren konnten, ist unpassierbar.

 

Das Geräusch kommt von einem Bagger, der aus dem Bachbett Geröll herausholt und als Wall zu unserer Seite aufschüttet.

Der Platz, auf dem wir mit ca. 10 anderen Zelten stehen, läuft voll.

Eine Gruppe Motorradfahrer aus Rotenburg (Wümme) hat ihre Mopeds zu uns herüber gefahren, da unser Platz noch der Trockenste ist.

 

Diverse Zelte stehen unter Wasser und laufen mit Schlamm voll. Es herrscht etwas Panik. Der Zeltplatzbesitzer kommt mit einem VW Bus und holt die Zelte, Klamotten etc., um sie ins Trockene zu bringen.

 

Ich gehe über die Wiese in 20 cm tiefem Wasser zur Toilette und staune nicht schlecht.

Claus hilft den Rotenburgern beim Sichern ihres Hab und Gutes. Bei allem Chaos stehen wir noch am Besten mit unserem Zelt.

Aber nichtsdestotrotz, fange ich schnell an zu packen. Gerade als wir das  Zelt abbauen wollen, hört es auf zu regnen.

 

Kein Frühstück, sondern alles rasch zusammengepackt. Ab in die Mopedklamotten und raus hier.

 

Mit den voll bepackten Mopeds müssen wir über die unter Wasser stehende Wiese fahren. Das Wasser wird immer mehr. Es glitscht unter dem Hinterrad. Bloß nicht stehen bleiben ist die Devise, sonst wären die Stiefel voll nass.

Als nächste Hürde muss eine etwas höher gelegene Brücke genommen werden. Auch hier kommt das Wasser im Schwall uns entgegen. Aber auch dies meistern wir.

 

An der Rezeption auf „sicherem“ Gelände halten wir nochmal an. Eigentlich müssten wir die Codekarte abgeben. Ein Kaffee wäre auch schön. Aber der Innenraum der Rezeption dient den Abgebuddelten als Aufenthaltsraum und Sortierraum.

Überall liegen nasse Sachen und sitzen erschöpfte Menschen. Für die Codekarte interessiert sich niemand.

Wieder draußen stellen wir fest, dass das Wasser sich neue Wege gesucht hat und dem Rezeptionshaus immer näher kommt.

Es gurgelt schon unter und an dem Haus.

 

Wir starten also unsere Tour nach Oslo kurz nach 7 Uhr. Im Ort Lillehammer fahren wir an eine Tankstelle, um Kaffee zu trinken und Rosinenbrötchen zu essen. Doll ist das auch nicht.

 

Da wir nicht wissen, welche Schäden der Regen an anderen Straßen oder Gegenden angerichtet hat, beschließen wir auf kürzestem Weg über die E 6 nach Oslo zu fahren. Diese Straße ist gut zu fahren und ist oder wird als Autobahn mit 100 km/h zulässig ausgebaut.

 

Und genau an dieser Strecke jetzt am frühen Morgen sehe ich meinen ersten Elch am Waldesrand stehen. Verwechselung ausgeschlossen, da er im Vorbeifahren den Kopf hebt. Leider ist für mich auf der Autobahn ein Anhalten ausgeschlossen, so dass ein Foto nicht gemacht werden kann.

 

Mit einem Tankstopp kommen wir um 10:15 Uhr in Oslo auf dem Campingplatz an. (Siehe auch Fazit: Adressen - Unterkunft). Wir bauen auf, sortieren die nassen Sachen und Frühstücken erst einmal ordentlich, nachdem wir auch eine Dusche genießen konnten.

 

Dann haben wir Zeit und Muße uns ein wenig auszuruhen. Die Sonne scheint übrigens jetzt und das Wetter ist echt schön.

 

Am Nachmittag habe ich den Kampf mit der Wäsche aufgenommen, d.h. eine freie Waschmaschine zu ergattern ist sehr mühsam. Und heute musste ich mich wieder überwinden, eine fertige Waschmaschinenladung fremder Wäsche aus einer Maschine zu nehmen, um endlich meine Wäsche waschen zu können.

Eine halbe Stunde habe ich vergeblich gewartet und jetzt läuft meine Wäsche schon über eine Stunde und der Haufen Wäsche meiner Vorgängerin liegt da immer noch so wie ich ihn hingelegt habe.

 

Nachdem meine Maschine fertig ist, finde ich sogar einen freien Trockner. Wer hätte das gedacht. So endet dieses Wäscheabenteuer noch ganz zufriedenstellend.

 

Nach dem Essen verabschiedet sich Claus. Er will in der Osloer Innenstadt das Fußballspiel gegen Brasilien schauen. Claus hat für uns beide den Oslo Pass gekauft, mit dem wir jetzt 2 Tage lang alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können und in über 30 Museen und Ausstellungen kommen. Eine sinnvolle Anschaffung, die uns in den nächsten zwei Tagen das Leben sehr erleichtert.

 

Ich laufe stattdessen noch durch den nahen Ekebergpark und fotografiere dort einige schöne Skulpturen.

Einige interessante Kunstobjekte sind dabei. Danach lese ist mein Buch weiter und genieße den ruhigen Abend.

Die nachfolgenden Videos habe ich mit meinem Fotoapparat gemacht. Sie sind nicht von besonders guter Qualität, zeigen aber in etwa die Dringlichkeit der Situation.