Bunte Schlauchboote mit vielen Menschen einer Raftinggruppe
Eine Raftinggruppe unterwegs

tag 27 - 12.08.2017 - Skjåk - Geilo - 304 km


Alles dabei, Sonne, Wolken, Regen, kühl

Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! 

 

So könnte man den Auftakt des Tages und damit den weiteren Verlauf bezeichnen.

Als Claus vom Duschen kommt, sehe ich an seinem rechten Oberschenkel von hinten das deutliche Zeichen für eine eventuelle Borreliose. Ein geröteter geschlossener Kreis, dann innen ein weißer Kreis und in der Mitte eine deutliche Rötung. Alles so groß wie ein Unterteller. 

 

Aus meiner Sicht besteht hier Handlungsbedarf und eine Untersuchung durch einen Arzt. An der Rezeption unseres Zeltplatzes hängt ein Zettel mit der genauen Angabe darüber, wen man anrufen muss, um ärztliche Hilfe sowohl in der Woche als auch am Wochenende zu bekommen. 

 

Da wir heute Samstag haben, rufen wir die entsprechende Nummer an. Dann soll man die 9 wählen und bekommt die Informationen auf Englisch. Dann die 0 und anschließend die Postleitzahl des Ortes an dem man sich gerade befindet, und plötzlich ist eine Frau am Telefon, die sofort den Hörer dem Arzt übergibt. 

 

Wir schildern das Problem und er bittet uns zu ihm zu kommen. Die angegebene Adresse liegt in Otta, das konnten wir schon dem Zettel an der Rezeption entnehmen. Jetzt mit der Angabe der Straße geben wir alles im Navi ein und starten zum Arzt. 

 

Nach 1 Stunde stehen wir vor einem Krankenhaus in Otta. 

Wir werden sofort eingelassen, die Daten werden aufgenommen und schon geht es zum Arzt. Er bestätigt meinen/unseren Verdacht und verschreibt Claus ein Antibiotikum für 14 Tage.

 

Die Behandlung kostet 24 €, das muss jeder zahlen, auch die Norweger. Dann fahren wir mit dem Rezept zur nächsten Apotheke und kaufen die Medizin. 

 

Anschließend gönnen wir uns Kaffee und Kuchen in einer Konditorei und besprechen die neue Route. Die gestern besprochene Tour funktioniert nicht mehr, da wir dann die 66 km zurückfahren müssten und in Summe kämen wir auf jetzt noch 374 km. Das erscheint uns, da es ja auch schon in der Zeit fortgeschritten ist, zu viel. 

 

Nach der entsprechenden Umplanung verbleiben 250 km circa. So starten wir los. Das Wetter ist sehr unbestimmt. Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Zum Glück ist der Regen aber nie so doll, dass wir uns Regenzeug anziehen müssten. 

 

Von Otta geht es nach Sjoa. Dann auf die 257 entlang eines Flusses, auf dem wir noch einen Trupp Rafting Leute sehen, nach Randsverk. Und nun über die 51 in Richtung Fagernes. Auf der 51 schrauben wir uns auf eine Höhe von 1360 m. Eine beeindruckende Landschaft begegnet uns auf der Hochebene des Jotunheimen Nationalparks. Viele Norweger sind heute hier zum Wandern. Das kann man an den vollen Parkplätzen sehen. Hier oben haben wir nur 10° und eine steife Brise weht wieder. 

 

Mir ist rattenkalt und es reizt mich nicht, hier anzuhalten. Da mein Tank sich mal wieder dem Ende zu neigt, meine Range liegt mal wieder unter 20 km, bin ich froh in Beitostølen eine Tankstelle zu finden. Wir tanken hier also und suchen danach ein Café. Das gelingt erst nach ein paar Kilometern, aber dann wärmen wir uns auf und genießen die Pause. Von Fagernes geht es weiter über Gol nach Geilo

 

Die Strecken heute waren wieder wunderschön. Es scheint uns egal, in welcher Region von Norwegen man unterwegs ist. Es ist ein unglaublich faszinierendes Land. 

 

In Geilo haben wir auf dem Øen Tourist Center AS + Geilo Vandererheim eine Hütte für 600 Kronen reserviert. Die Hütte ist zwar groß, aber unterirdisch schlecht eingerichtet. Es ist unfassbar wie unterschiedlich die Standards sind. Auch hier muss es von uns noch eine ganz schlechte Bewertung im Internet geben. 

 

So schließen wir aber den Tag mit einem leckeren Essen und der Aussicht auf eine weitere schöne Tour morgen und vor allem übermorgen, die jetzt schon gebuchte Fährfahrt über den Lysefjord!

 

Ich freue mich. Und ich bin froh, dass wir für Claus so schnell und gut eine Behandlung bekommen haben.